Besuch beim Zentralfest 2026 in Brig
Im Schweizer Kanton Wallis liegt, südlich vom Nesterhorn und nördlich von Simplon Brig, ein Ortsteil der Gemeinde Brig-Glis. Von 28. August bis 31. August fand dort das jährliche Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins statt. Eine Delegation des Vororts des Österreichischen Cartellverbandes, der der Vorortspräsident Michael Mostböck (A-P) und sein zweiter Vizepräsident David Burits (A-P) angehörten, war zusammen mit dem Vorsitzenden der Altherrenschaft Marcus Winkler (Pan et mult.) vor Ort.
Im Gegensatz zur Cartellverbandsversammlung ist das Zentralfest nicht primär für Delegierte interessant: Die Vereinsversammlungen waren bereits am frühen Samstagnachmittag abgeschlossen, die meisten Programmpunkte dienten der Unterhaltung oder waren als Festanlässe konzipiert. Das Fest fand in einem deutlich größeren Rahmen statt: Viele Gastronomiebetriebe des Ortes waren an der Verpflegung der Festteilnehmer beteiligt; die Bewohner von Brig feierten ebenso – was hier geboten wurde, war tatsächlich Couleurstudententum in der Mitte der Gesellschaft.
Am Samstagabend, nach Sonnenuntergang, wurden die Chargierten zum ersten Umzug des Festes versammelt, dem Fackelzug. Dieser gipfelte in einer so anregenden wie aufrüttelnden Brandrede von Farben- und Kartellbruder Staatsrat Franz Ruppen. Im Rahmen dieses ersten großen Festaktes wurden auch die Neumitglieder in den Studentenverein aufgenommen. Hierin unterscheidet sich der SchwStV von den anderen großen Verbänden des Couleurstudententums: Während diese als Dachverbände Verbindungen in sich versammeln, so sind in jenem die Couleurstudenten selbst Mitglied – neben ihrer Mitgliedschaft bei einer Verbindung. Dieser Umstand hat auch zur Folge, dass auf der Aktivenversammlung ausschließlich gewählte Vertreter oder Delegierte, sondern alle Mitglieder persönlich erscheinen und an Diskussionen und Abstimmungen teilnehmen können. Ein weiterer Unterschied ist, dass der SchwStV auch den Gymnasia, also den Mittelschulverbindungen der Schweiz, offensteht. Solche Strukturen, eine solche Organisation, tragen zu einer offenen, direkten, transparenten und egalitären Debattenkultur bei.
Auf der Aktivenversammlung wurden auch die neue Zentralpräsidentin und das neue Zentralkomitee gewählt. Die Vorortsdelegation durfte Farbenschwester Sarah Jaeggi und ihrem Team dazu gratulieren, sich in einer Kampfwahl durchgesetzt zu haben.
Die Abende verliefen, nach den Festanlässen, ausgelassen und es herrschte „Stammbetrieb“ – den angereisten Verbindungen waren zu Beginn des Festes Lokale in Brig zugewiesen worden, die von diesen nach Belieben genutzt werden konnten. So bot sich auch dem Gast die Gelegenheit, bestimmte Verbindungen näher kennenzulernen. Im Stammlokal der AKV Kyburger wurde am Freitagabend sogar eine Kneipe geschlagen.
Was für den österreichischen Couleurstudenten jedoch äußerst ungewohnt sein wird, ist der Verlauf des letzten und wichtigsten Tages des Zentralfestes: Am Sonntag fand in den früheren Stunden des Vormittags, ab neun Uhr, eine Festmesse statt, zelebriert von Farbenbruder Felix Gmür, Bischof von Basel. Nach dem darauffolgenden Apéro und einem Empfang für Ehrengäste wurden die Chargierten erneut zu einem Umzug versammelt – dem Cortège, an dem einige Chargierte beritten teilnahmen.
Im Anschluss an den Umzug wurde von Staatsrätin Franziska Biner eine Festansprache gehalten. Auf diese folgten die Ehrungen langjähriger Mitglieder des SchwStV, die sogenannten Veteranenehrungen, welche vergleichbar mit unseren Jubelbandehrungen sind.
Ein letzter wichtiger Programmpunkt war die Bandtrüllete. Die Farben der Verbindungen des Schweizerischen Studentenvereins sind im Allgemeinen rotweiß-grün, wobei das Rot von Verbindung zu Verbindung verschieden ist (oft sogar orange oder rosa) und für das Prinzip der Freundschaft steht. Das Grün repräsentiert die Tugend und in dieser Zeremonie wird das Band gedreht, sodass „die Tugend oben steht“ – wie das eben bei Verbandsfunktionären auch erwartet werden darf. Was auffälligerweise nicht stattgefunden hat, ist ein Kommers, der allerdings aufgrund der Fülle anderer Programmpunkte nicht wirklich gefehlt hat – im Gegenteil hat sein Ausbleiben einen gemütlichen Ausklang am letzten Tag erlaubt.
Das Zentralfest ist, wie dieser Bericht auch deutlich machen sollte, etwas ganz Besonderes: Es ist nicht nur anders als die gewohnten Anlässe in Österreich, sondern es ist überhaupt ein Ausdruck eines anderen und interessanten Couleurverständnisses. Umso wichtiger ist es, den Kontakt zu unseren Farbenbrüdern und Farbenschwestern zu suchen und zu pflegen: Wir können sicher noch von ihnen lernen.
